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Weltweit leben 90% der Menschen, die unter Hunger leiden, in den Tropen. Der sagenumwobene Brotfruchtbaum aus Polynesien könnte hier Abhilfe schaffen – denn ein einziger Baum kann eine vierköpfige Familie ernähren – und das 50-70 Jahre lang. Dabei ist die Stärke der Brotfrucht sehr hochwertig, vielseitig nutzbar und lecker – durchaus vergleichbar mit Kartoffeln. Neuartige Vermehrungsmethoden machen diese wertvolle Pflanze nun für die Massen verfügbar.

Die Entdeckung der Brotfrucht

Als der Mainzer Naturforscher Georg Forster im Jahre 1773 am Bord des Schiffes „Resolution“ mit dem berühmten Seefahrer Captain James Cook die Südsee besuchen durfte, entdeckte er, dass die dortige Bevölkerung freundlich und wohl genährt war – nicht zuletzt aufgrund eines Baumes mit grünen, etwa fußballgroßen Früchten, die dort von den Einheimischen auf unterschiedlicher Weise zubereitet wurden. Auf heißen Kohlen im Ganzen gebacken verströmten die Früchte einen betörenden Duft, wie frisch gebackenes Brot – also nannte Forster diese Frucht „Brotfrucht“. Joseph Banks schrieb seinerzeit über den Brotfruchtbaum:

„Pflanzt ein Mann in seinem Leben nur zehn Brotfruchtbäume – eine Aufgabe, die er in ca. eine Stunde erledigen kann – würde er seinen Verpflichtungen gegenüber seine eigene Generation, und gegenüber künftige Generationen, vollends erfüllen.“

Meuterei auf der Bounty

Die britische Krone erfuhr von dieser Wunderpflanze, und dachte sogleich an ihren Kolonien in der Karibik. Dort war der – für England sehr lukrative – Sklavenhandel im vollen Gange, aber man hatte Mühe, die Menschenmassen vor Ort zu ernähren. Also schickte man Capt. William Bligh an Bord der – speziell für die Mission umgerüstete – „Bounty“ auf der langen Reise nach Tahiti, um junge Brotfruchtbäume zu laden und in die Karibik zu bringen. Nach einem Jahr auf der paradiesischen Insel wollte allerdings die Besetzung nicht unbedingt zurück, und schon gar nicht ihr kostbares Trinkwasser für die hunderte von Bäumchen an Bord opfern. Es kam zur berühmten „Meuterei auf der Bounty“, und die Bäumchen flogen über Bord.

Capt. William Bligh brachte die Brotfrucht in die Karibik.

Capt. Bligh kehrte nach dieser missglückten Expedition später zurück, brachte doch Bäumchen in die Karibik – und dort ist Brotfrucht heute als Grundnahrungsmittel überhaupt nicht mehr wegzudenken. Man weiß inzwischen, dass es viele Lokalsorten gibt, die von den Polynesiern selektiert und über Wurzelausschläge weitervermehrt hatte.

Die Kultivierung der Brotfrucht gelingt

Diane Ragone sammelte Brotfruchtsorten.

Auf der Insel Maui, im National Tropical Botanic Gardens, gibt es die weltgrößte Sammlung von Brotfruchtsorten – zusammengetragen von Dr. Diane Ragone vor vielen Jahren. Hier erforscht man die Bäume und ihre Früchte; man weiß jetzt, dass die Stärke der Brotfrucht sehr hochwertig ist – eiweißhaltig, vitaminreich, und vor allem frei von Gluten. Die Bäume sind auch außerordentlich ertragreich – ein einziger Baum bringt nur wenigen Jahre nach der Pflanzung so viele Brotfrüchte hervor, dass man davon eine vierköpfige Familie während der sechsmonatigen Erntezeit ernähren kann.

Wohl wusste man um die Wertigkeit der Brotfrucht – doch Plantagenanbau und eine größere Verbreitung war bis vor kurzem nicht möglich. Die Vermehrung über Wurzelschösslinge war zwar üblich, doch nicht besonders effizient – zudem konnte man mit dieser Methode kein gesundes Ausgangsmaterial für Plantagenanbau erzeugen. In Zusammenarbeit mit Dr. Susan Murch von der University of British Columbia in Kanada hat man Methoden entwickelt, mit Hilfe der sogenannten Mikrovermehrung bzw. in-vitro Kultur, ausgewählte, leistungsfähige Brotfruchtsorten im Reagenzglas unter sterilen Laborbedingungen zu kultivieren. Diese Methoden ist bei vielen anderen Kulturen, wie z.B. Erdbeeren oder Bananen, absolut üblich – Abermillionen von Pflanzen werden Jahr für Jahr aus Laborproduktion erzeugt. Bei Brotfrucht war das bis vor kurzem einfach nicht möglich.

Das hat sich nun grundlegend geändert – mit Hilfe der entwickelten in-vitro Vermehrungsmethode können jetzt hunderttausende, ja künftig Millionen Brotfruchtbäumchen produziert werden. Die im Labor produzierte Pflanzen werden unter ganz bestimmten Bedingungen im Gewächshaus weiterkultiviert, und dabei an das Leben außerhalb des Reagenzglases gewöhnt – die Pflanzen sind in dieser Zeit extrem empfindlich und brauchen tägliche Aufsicht und Pflege. 12 bis 18 Wochen dauert es, bis die Pflanzen aus dem Glas nun groß genug sind, um verschickt zu werden.

Die Brotfrucht gegen den Hunger der Welt

Knapp 100.000 Bäumchen sind in den letzten Jahren schon per Luftfracht zu insgesamt 42 tropische Länder verschickt worden, hauptsächlich zu humanitären Zwecken – als eine langfristige, nachhaltige und umweltfreundliche Nahrungsquelle für Menschen in den Tropen. Wenn man bedenkt, wie ertragreich die Bäume sind, haben nun durch diese Arbeit knapp eine halbe Million Menschen in den Tropen jetzt „etwas zu futtern“. Die Bäumchen werden dort für einige Monate in Pflanzgefäße weiterkultiviert, bis sie – möglichst zu Beginn der dortigen Regenzeit – in den Boden ausgepflanzt werden. Bereits zwei bis drei Jahre nach der Pflanzung fangen diese Bäumchen dann an, nahrhafte Früchte hervorzubringen – und tragen bei guter Pflege mindestens 50, meist über 70 Jahre lang.

Darüber hinaus ist der kommerzielle Anbau von Brotfrucht ebenfalls lukrativ. Der Stärkeertrag pro Hektar und Jahr macht den Plantagenanbau profitabel und interessant. Die Nachfrage für glutenfreie Produkten in den westlichen Ländern ist schon riesengroß, und wächst beständig – und die verarbeitende Lebensmittelindustrie hat schon jetzt Interesse bekundet. Brotfrucht kann man schälen, in Scheiben schneiden, trocken und zu einem backfähigen Mehl verarbeiten. Darüber hinaus kann man aus Brotfrucht „pommes frites“ herstellen, aber auch Bier, Sake, Tierfutter und vieles mehr.

Bedenkt man, dass die Menschheit wohl in den nächsten 30-40 Jahren von derzeit 7.4 Milliarden Menschen auf 9 bis 10 Mrd. Menschen anschwellen wird, werden wir in Zukunft viel, viel mehr Lebensmittel produzieren müssen, als es heute der Fall ist. Brotfrucht ist dabei vielleicht nicht die Lösung aller Probleme, kann aber einen wichtigen Beitrag zur Welternährung leisten.

Ein Beitrag von Dipl. – Ing. Gartenbau Garry Grüber
www.globalbreadfruit.com | www.cultivaris.com

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